Vom Winde verweht

Vom Winde verweht (Originaltitel: Gone with the Wind) ist eine US-amerikanische Literaturverfilmung aus dem Jahr 1939 mit Vivien Leigh und Clark Gable in den Hauptrollen.

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Margaret Mitchell, der 1936 veröffentlicht wurde und sich schon bald zu einem der erfolgreichsten Romane der amerikanischen Literaturgeschichte entwickelte. Der von David O. Selznick produzierte Film ist einer der bekanntesten Hollywoodfilme und gehört zu den großen Filmklassikern.

Mit fast vier Stunden Laufzeit war er seinerzeit der Film mit der längsten Spieldauer, außerdem mit rund vier Millionen US-Dollar der teuerste Film überhaupt. Vom American Film Institute wurde er auf Platz 4 der „größten US-Filme aller Zeiten“ gewählt. Er wurde seit seiner Uraufführung mehrfach wieder in die Kinos gebracht und ist mit einem inflationsbereinigten Einspielergebnis von rund 6,6 Milliarden US-Dollar (2014) daskommerziell erfolgreichste Werk der Filmgeschichte.

Der Film spielt während des Sezessionskrieges sowie der anschließenden Reconstruction-Ära. Die Hauptfigur ist die temperamentvolle Southern Belle Scarlett O’Hara (Vivien Leigh), die in eine stürmische Romanze mit Rhett Butler (Clark Gable) gerät. Obwohl sie Rhett heiratet, vergöttert sie dennoch weiterhin ihren Jugendfreund (Leslie Howard), der jedoch mit der gutmütigen Melanie Hamilton (Olivia de Havilland) verheiratet ist. Die Regie führte Victor Fleming; die Filmmusik stammt von Max Steiner.

Vom Winde verweht ging mit einer Rekordzahl von 13 Nominierungen in die Oscarverleihung 1940 und wurde mit acht Oscars sowie zwei Ehren-Oscars ausgezeichnet. Darunter war der Oscar als Beste Nebendarstellerin für Hattie McDaniel, mit der erstmals ein afro-amerikanischer Künstler gewann.

(Wikipedia)

Wahrnehmung aus zweiter Hand?

Wenn wir uns selbst betrachten wollen, müssen wir in den Spiegel schauen oder den Umweg über ein Foto, beispielsweise ein Selfie machen. Das gilt nicht nur für die körperliche Selbstbespiegelung sondern das gilt auch für die innere, die seelische Selbstwahrnehmung - nur eben nicht per Spiegel oder Foto (früher bei Reichen auch durch ein Gemälde), sondern auf der geistigen Ebene, durch innere Bilder, wie sie durch Träume entstehen oder auch von anderen produziert werden, wie Literatur, Märchen, Erzählungen usw. Auch Filme gehören dazu. Wir erkennen uns in bestimmten Figuren wieder. Dadurch entsteht Bewusstsein. Die berühmtesten alten Texte, die für viele Menschen den Rang absoluter Wahrheit hatten oder haben, sind die religiösen heiligen Schriften, Bibel, Thora, Koran usw.

 

Selbstverständlich sind bei unserer Selbstvergewisserung durch vorgeformte Bilder Irrtümer nicht ausgeschlossen, wahrscheinlich sogar eher die Regel.  Und wie gesagt, gilt das alles auch schon für die Zeit, als es noch keine laufenden Bilder gab. Ein berühmtes Beispiel für einen Mann, der sich dadurch lächerlich macht, dass er sich für einen Ritter hält, weil er zu viele Ritterbücher liest, ist Don Quixote. Der Autor Cervantes erzählt: 

 

"Schließlich versenkte er sich so tief in seine Bücher, dass ihm die Nächte vom Zwielicht bis zum Zwielicht und die Tage von der Dämmerung bis zur Dämmerung über dem Lesen hingingen; und so, vom wenigen Schlafen und vom vielen Lesen, trocknete ihm das Hirn so aus; dass er zuletzt den Verstand verlor. Die Phantasie füllte sich ihm mit allem an, was er in den Büchern las, so mit Verzauberungen wie mit Kämpfen, Waffengängen, Herausforderungen, Wunden, süßem Gekose, Liebschaften, Seestürmen und unmöglichen Narreteien. Und so fest setzte es sich ihm in den Kopf, jener Wust hirnverrückter Erdichtungen, die er las, sei die volle Wahrheit, dass es für ihn keine zweifellosere Geschichte auf Erden gab ... Zuletzt, da es mit seinem Verstand völlig zu Ende gegangen, verfiel er auf den seltsamen Gedanken, auf den jemals in der Welt ein Narr verfallen; nämlich es deuchte ihm angemessen und notwendig, sowohl zur Mehrung seiner Ehre als auch zum Dienste des Gemeinwesens, sich zum fahrenden Ritter zu machen und durch die ganze Welt mit Ross und Waffen zu ziehen, um Abenteuer zu suchen und all das zu üben, was, wie er gelesen, die fahrenden Ritter übten, das heißt jegliche Art von Unbill wiedergutzumachen und sich in Gelegenheiten und Gefahren zu begeben, durch deren Überwindung er ewigen Namen und Ruhm gewinnen würde." 

 

Bücher können Identität stiften, aber diese Identität kann auf einem Irrtum beruhen. Cervantes hielt manche (schlechten) Bücher für so gefährlich, dass er sich in seinem Roman über Don Quixote für deren Verbrennung aussprach.

Cervantes übertreibt. Aber tatsächlich dürften in der Weltgeschichte mehr Don Quixotes herumlaufen, als wir normalerweise merken. Und wir nennen sie anders, übrigens auch die Windmühlen, gegen die sie anrennen ...

Ein anderes Beispiel aus etwas neuerer Zeit ist Goethes Werther. Der Roman löste ein regelrechtes Werther-Fieber aus, das in seiner schlimmen Ausprägung eine Selbstmordwelle zur Folge hatte. 

Der Sinn der Sache liegt allerdings in der positiven Wirkung von Literatur. Den Kern erfasst der römische Autor Vergil mit seiner Aeneis. Sein Held Aeneas flieht mit den Überlebenden aus dem von Odysseus und seinen Mannen zerstörten Troja, den Vater und seinen kleinen Sohn auf dem Rücken, sie gelangen nach Karthago und nun erzählt Vergil etwas total Unmögliches: Dort angekommen stehen die Geflohenen in einem heiligen Hain vor einem Tempel, an dessen Wand die Kämpfe vor Troja bereits in Stein gehauen sind. Aeneas sieht sich dort abgebildet, wie er mit den Fürsten der Griechen kämpft, dabei verarbeitet er das Erlebte und erkennt sich selbst. Ihm kommen die Tränen. Er erfährt sich nicht als Verlierer, sondern als Held, dem eine wichtige Aufgabe bevorsteht. 

Desgleichen erzählt Ray Bradbury in Fahrenheit 451 (der gleichnamige Film stammt von Truffaut) von einer Diktatur, die Bücher für so gefährlich hält, dass Lesen verboten ist und Bücher von der Feuerwehr (!) aufgespürt und verbrannt werden. Leser werden verfolgt. Geheime Widerstandsgruppen lernen die Bücher auswendig.